Zwölf Teilnehmer eines Weinbaukurses der Weingärtnergenossenschaft Rohracker haben ein Jahr tatkräftig bei allen anfallenden Arbeiten in einem terrassierten Mauerweinberg in Rohracker mitgearbeitet. Sie haben dafür jetzt ihre Urkunden erhalten.

Die WG Rohracker ist keine normale Weingärtnergenossenschaft. Dessen sind sich die Mitglieder der kleinsten WG in Württemberg sicher. Denn hier wird fast ausschließlich in terrassierter Steillage gearbeitet. Für die Wengerter aus Rohracker ist dies nicht nur Last, sondern auch ein Stück weit Verpflichtung diese Kulturlandschaft am Leben zu halten. Weil die Grundstücke heute nicht mehr selbstverständlich von den Kindern der Wengerter, die altershalber ausscheiden, weiter bewirtschaftet werden, ist die Kooperative auf Quereinsteiger angewiesen. Es wird allgemein viel getan in der Weinbauszene, um Interessenten zu locken. „Ob Rebstockpatenschaften, Sponsoring, Mithilfe bei der Lese oder Fundraising, die Ideen sind vielfältig. Meist sind das alles jedoch eher Marketinginstrumente der Betriebe“, so Markus Wegst von der WG Rohracker. „Wer wirklich nachhaltig etwas für den Erhalt des Weinbaus in terrassierter Steillage tun will, darf nicht kurzfristig von der Substanz leben, sondern muss langfristig denken und den entsprechenden Personenkreis ausbilden“. „Wir wissen, dass das Potenzial hier groß ist“, weiß Edgar Veith, Vorstand der WG Rohracker. Allerdings trauen sich nur Wenige, dieses Hobby selbst anzugehen. Die Ungewissheit, ob ein Weinberg sowohl zeitlich als auch vom Wissen her zu stemmen ist, schreckt viele ab. Um diesen Personenkreis direkt anzusprechen, kam die Idee auf, einen Kurs zu veranstalten. Zwölf Teilnehmer haben schließlich 2016 den erfahrenen Wengerter auf einer sieben Ar großen Parzelle im Weinberg an zehn Samstagen über die Schulter geschaut und mit angepackt. Die WG Rohracker möchte damit Interessierten einen umfassenden Einblick in die Arbeit in ihren traditionsreichen Mauerweinbergen geben. Dass es sich hier ausschließlich um Handarbeit handelt haben die Weinbau-Neulinge schnell begriffen. Aber auch dass es unglaublich viel Freude bereitet, in den Jahrhunderte alten Rohracker Weinbergen zu arbeiten. Denn hier ist die Vergangenheit so lebendig wie die Gegenwart. Hier wird gearbeitet wird wie eh und je – ein hohes Gut in unserer sonst sehr maschinell betriebenen Landwirtschaft. Hier fährt kein Traktor – Bodenverdichtung Fehlanzeige – und die Mauern wirken in der Reifezeit wie große Wärmespeicher. „Dass hier Trauben von besonderer Qualität erzeugt werden können, liegt auf der Hand“ sagt Wegst. Die Trollinger- und Lembergerreben wurden von den Kursteilnehmern zusammen gehegt und gepflegt. Für die meisten galt es viele neue Handgriffe zu erlernen und neues Wissen abzuspeichern. Im Frühjahr wird dann zusammen der Jungwein erstmals verköstigt. „Ich hoffe der wird sehr gut. Die Kursteilnehmer hätten das als Belohnung verdient“, sagt Veith. Und weil alles bisher so erfolgreich verlaufen ist, soll der Kurs 2018 wiederholt werden.