Seit ein paar Jahren drängen immer mehr neue Rebsorten auf den Markt. Hierbei handelt es zumeist um sogenannte Piwis, ein Kürzel für pilzwiderstandsfähige Weinreben. Die Resistenz verdanken die Reben nicht der Gentechnologie, sondern einer Kreuzzüchtung von amerikanischen und asiatischen Wildreben. Die erste Rebe, die eine gewisse Bekanntheit erreichte war der Regent. In den vergangenen Jahren sind dann noch weitere Sorten hinzugekommen.

Vor allem hat das Weinbauinstitut in Freiburg in den letzten Jahren neue Piwis gezüchtet. Einige davon wie zum Beispiel Johanniter, Bronner, Solaris (weiße Sorten) und Cabernet Cortis, Cabernet Carbon, Monarch und Baron (rote Sorten) wurden von dem Bundessortenamt in die Sortenliste aufgenommen und für den Weinbau freigegeben.

Weinbau wird meistens großflächig betrieben und stellt daher eine Monokultur par excellence dar. Es wird nur eine einzige Kulturpflanze angebaut die anfällig für Schädlinge und Krankheiten ist. Bei schlechten Witterungsbedingungen, wie im vergangenen Jahr, ist daher ein hoher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig.

Der Weinbau in Stuttgart-Rohracker sieht ganz  anders aus: Die Rebflächen sind eingebettet in ein Landschaftsmosaik mit verschiedenen Nutzungen und großer biologischer Vielfalt. Der Weinbau wird vorwiegend auf terrassierten Steillagen betrieben. Durch die Trockenmauern ist eine weitaus höhere Artenvielfalt im Weinberg gewährleistet, aber trotzdem kommen die Rohracker Wengerter nicht ohne Pflanzenschutzmittel aus. Die Bearbeitung und die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln von Hand sind jedoch sehr aufwändig.

Um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren, hat die WG Rohracker schon vor ein paar Jahren den Anbau von Piwis favorisiert. Angepflanzt werden in der WG Rohracker bei den Weißweinen die Piwis Cabernet Blanc und Souvignier gris, bei den Rotweinen Monarch und Cabernet Jura. Rund 24ar der Rebfläche der WG sind bereits mit diesen Sorten bepflanzt, eine Ausweitung ist vorgesehen.

Diese Rebsorten müssen aufgrund ihrer natürlichen Resistenz gegen die beiden wichtigsten Rebkrankheiten, wie Oidium (echter Mehltau) und Peronospora (falscher Mehltau), deutlich weniger mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Bei den schwierigen Bedingungen 2016 reichten zwei Behandlungen vollkommen aus, um die Reben vor diesen Krankheiten zu schützen.

Im vergangenen Jahr wurde eine Kleinmenge der Sorte Monarch erstmalig geerntet. Mit dieser Menge läuft derzeit der erste Versuch der Vinifizierung. Beim Souvignier gris wird die erste Ernte für das Jahr 2018 erwartet. Vorgesehen ist, dass von allen vier angebauten Piwis sortenreine Weine erzeugt werden. Für das Jahr 2019 wird mit dem Verkauf der ersten Weine dieser Sorten gerechnet.

Die Wengerter der WG Rohracker sehen den Anbau von Piwis als Beitrag zum Umweltschutz und zum Erhalt der ökologischen Vielfalt, da dadurch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblich reduziert werden kann.

Sollten wir durch diesen Artikel Ihre Neugierde auf diese Weine geweckt haben, würden wir uns freuen Sie in den nächsten Jahren in unserer Kelter in Stuttgart-Rohracker begrüßen zu dürfen.